Visigoth + Striker + Booze Control am 10.07.2018 im Bambi Galore

Um unter der Woche, mitten in der Festivalsaison, die Bude voll zu haben muss man schon etwas bieten. Visigoth sind mittlerweile fern eines Geheimtipps und aufgrund persönlicher Umstände nicht immer und überall auf Tour anzutreffen. Die Band in Kombination mit Striker aus Kanada und Booze Control aus Braunschweig für unschlagbare 11€ sehen zu können war mir die eineinhalbstündige Anfahrt nach Hamburg Billstedt ins Bambi Galore wert.

Booze Control

Die vier Jungs aus Braunschweig sah ich letztes Jahr auf dem Meltdown Festival in Schleswig zum ersten Mal. Das Songmaterial ist im traditionellen Metal angesiedelt, mit eingängigen Melodien und latentem Mitsingpotenzial. Das aktuelle Album „The Lizard Rider“ fand letztes Jahr den Weg in meine Sammlung und ist definitiv zu empfehlen. Das neue Album lässt auf sich warten, neue Songs präsentiert die Band aber schon.

Leider haben Soundprobleme dem Auftritt den letzten Schliff genommen. Das Publikum ließ sich nach hinten raus aber trotzdem mehr und mehr zum Kopfnicken und Mitsingen animieren. Bewegungen wollten wohl überlegt sein – Sauerstoffgehalt und Raumtemperatur bewegten sich umgekehrt proportional.

Striker

275 Tage – so lange war die Band laut Frontmann Dan Cleary ohne Auftritt aufgrund einer Verletzung des Drummers. Dass sie nichts verlernt haben bewies die Band danach eindrucksvoll und bei deutlich besserem Sound als zuvor bei Booze Control. Striker zeigten sich spielfreudig und begeistert über den zahlreichen Zuspruch.

Von den drei traditionell inspirierten Bands des Abends schlugen Striker am ehesten in die Richtung Speed Metal. Ihr Sound war deutlich rockiger. Alles in allem kam der Auftritt bei den Anwesenden gut an. Luft und Hitze machten es zu einem intensiven Erlebnis. Ich frage mich immer noch, wie die Jungs das in ihren Lederjacken überlebt haben. Sänger Dan hatte sich beim Einsingen des neuen Albums die Stimmbänder angekratzt. Er hat das Set aber tapfer durchgestanden.

Visigoth

Headliner und zweifelsohne der Grund für die Mehrheit des Publikums anwesend zu sein war dann Visigoth. Die Combo, deren Name übersetzt „Westgoten“ lautet, haben so gar nichts gotisches an sich. Fünf Cowboys (Zitat Ende) aus Salt Lake City, Utah zelebrieren epischen Metal nach Olympianorm. Nur zwei Alben hat es gebraucht um eine treue Fangemeinde um sich zu scharen, die textsicher jedes Wort misingt. Kaum ein Song bei dem man nicht die Faust gen Himmel (oder in diesem Fall gen Decke) recken will. Fronter Jake Rogers versprüht pure Energie, intoniert die Lieder kraftvoll und hymnenhaft – war aber zum Ende deutlich vom Gig unter saunagleichen Bedingungen gezeichnet.

Bei zwei Alben (und einer EP) von insgesamt bummelig 100 Minuten Spielzeit muss man für ein 90 Minuten Set wenig Abstriche machen und so wurden alle von dem Fans geliebten und geforderten Highlights gespielt. Zum Finale zelebrierte die Band mit den Fans „The Revenant King“. Ich zog von Dannen und war froh den Trip auf mich genommen zu haben. Ein großartiger Metal-Abend im Kreise Gleichgesinnter.

Ein Wort zur Location.

Der Name fällt ja in einschlägigen Publikationen des öfteren aber das war mein erster Besuch im Bambi Galore. Der Laden ist perfekt zu erreichen. Zweimal lang nach vorne gefallen aus der U-Bahn Station Billstedt und man steht quasi davor. Gut, wenn man wie ich nach Ende der Veranstaltung dringend sein Verkehrsmittel erreichen muss.

Über eine Treppe kommt man ins Erdgeschoss, wo man von einem kurios aufgeteilten Keller erwartet wird. Der Raum ist quasi geteilt, durch eine von Rundbögen unterbrochenen Wand. Rechts ist die Bar, links ist die Bühne. Das Publikum arrangiert sich um die Sichtbehinderung rum. Das Bier ist günstig und Flüssigkeitsaufnahme ist wichtig. Denn Frischluftzufuhr sucht man vergeblich und die Temperaturen sind irgendwann saunaähnlich. Der Sound ist in Ordnung, so dass alle Voraussetzungen für einen klassischen Metalabend gegeben sind.

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