Rock Hard Festival 2017: Wenn die Kutten nach Hause kommen!

Rock Hard Festival

Gut eine Woche ist es jetzt her, dass die 2017er Ausgabe des Rock Hard Festivals zu Ende gegangen ist. Zeit, die drei Tage nochmal Revue passieren zu lassen. Eins nehme ich gleich mal vorweg. Sofern uns nichts gravierendes dazwischen kommt, sind wir auch im nächsten Jahr wieder am Start. Wieso? Das erfahrt ihr in unserem folgenden Bericht.

Das Ruhrgebiet kann sicherlich nicht exklusiv für sich in Anspruch nehmen, die Wiege des deutschen Heavy Metal zu sein…aber selbst ich, der nicht aus dem Pott kommt, assoziiert mit Städten wie Essen und Gelsenkirchen irgendwie die Wurzeln teutonischer musikalischer Urgewalt. Von da aus ist sie in alle Himmelsrichtungen ausgeschwärmt und hat die Welt im Sturm erobert.

Wenn also einmal im Jahr das Magazin Rock Hard sein Festival zelebriert ist es fast so, als ob der Metal heimkehrt; als ob die Kutten nach Hause kommen!

Die drei Tage im Amphitheater im Nordsternpark waren auch dieses Mal wieder großartig. Die Atmosphäre fiel wie üblich familiär und irgendwie überschaubar aus. Die kompakte Location unterstützt dies perfekt und das Line-Up bot eine Band für jeden Geschmack an. Und das alles für einen wirklich angemessenen Ticketpreis von 79 Euro für drei Tage. Man fragt sich ernsthaft warum das Ding nicht jedes Jahr ausverkauft ist. Bei 7.000 Besuchern kann man aber andersherum auch nicht mehr von einem Geheimtip sprechen.

Heutzutage buhlt ja an wirklich jedem Wochenende ein anderes Festival um Besucher – da wird vor allem die Zeit irgendwann zur endlichen Ressource. Die Diskussion, ob wir das Rock Hard Festival dieses Jahr wieder besuchen, fiel dennoch kurz aus. Der dritte Besuch stand an und die beiden voran gegangenen waren die beste Werbung.

Auf Camping verzichten wir. Natürlich nimmt das etwas von der Festivalatmosphäre aber es reduziert auch den logistischen Aufwand erheblich. Das Gelände ist sowohl aus der Umgebung, von Hotels oder wie in unserem Fall, einer Ferienwohnung, leicht zu erreichen. Der Anschluss an die öffentlichen Verkehrsmittel funktioniert mit dem Bus überwiegend sehr gut. Zu Stoßzeiten kann es mal etwas voller werden – dann geht man vielleicht einfach ein Stück zu Fuß.

Wenn das Wetter mitspielt. In diesem Jahr konnte man das guten Gewissens attestieren. Bis auf eine kurze, stärkere Schauer und abkühlende Temperaturen zum Ende hin schien die Sonne und lies leichte Bekleidung zu.

Das war eine gute Sache, denn mit zu viel Gepäck, am besten mit einem Rucksack, blieb man – so ist das heutzutage nunmal leider – erstmal in der Security Schleuse hängen. Sicherheit geht eben vor! Ansonsten lief alles ruhig und gesittet ab. Bedenkt man, was zur gleichen Zeit bei Rock am Ring los war, hätten uns ja auch empfindliche Einschränkungen ereilen können. Aber falls irgendwelche zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen im Hintergrund getroffen wurden, haben wir davon nichts mitbekommen.

Es hätte auch nur bedingt Sinn gemacht, denn der Außenbereich des Festivals liegt im öffentlich zugänglichen Teil des Parks. Das führt immer wieder dazu, dass sich schaulustige Pfingstradler und -wanderer zwischen uns Metalheads verirren. Das trägt aber auch irgendwie zum Charme der Veranstaltung bei.

In diesem Außenbereich finden sich auch die ersten typischen Metalshops: Patches, Pins und Klamotten. Dazu noch eine größere Zahl an Imbissbuden. Wir haben uns auch in diesem Jahr wieder nahezu ausschließlich auf dem Festival verpflegt. Die Auswahl ist reichhaltig und geschmacklich war alles was wir probiert haben in Ordnung.

Auch hinter der Security galt „same procedure as last year“! Rechts Pommes und Bier, links zum Biergarten. Dahinter wieder rechts der offizielle Merchstand…und der Weg zu den Toiletten; nach links zur inneren Verpflegungs- und Shoppingmeile. Ich glaube, ich könnte den Weg mit geschlossenen Augen ablaufen.

Das liegt natürlich auch daran, dass man außer den Konzerten zu lauschen, zu essen und zu trinken oder sich in den Biergarten zu pflanzen nicht viel anderes machen kann. Da es sich dabei aber um die wesentlichen Aktivitäten eines Metal Festivals handelt, ist das Rock Hard hier genau im Zielfeld. Event-„Touris“ auf der Suche nach Sekundärentertainment sind hier falsch.

Wer Links und Rechts ignoriert, landet vor der zentralen Treppe in das Amphitheater und darf erstmal den außergewöhnlichen Anblick genießen: im Hintergrund der Rhein-Herne-Kanal, davor die Stage und rundherum die Fans. Die einen zieht es direkt vor die Bühne in den Innenraum, der groß genug ist, um bei Bands mit Magnetwirkung voll aber nicht zu voll zu werden. Der Rest sitzt gemütlich auf den Stufen und lauscht den Klängen aller möglichen Genres.

Das Rock Hard Festival spreizt das Line-Up gekonnt über diverse Metal Genres: Traditional, Epic, Folk, Death, Black und so weiter. Die Grenzen sind ohnehin fließend. Da sollte wirklich für jeden etwas dabei sein. Der Umstand, dass nur eine Bühne vorhanden ist entschleunigt auf angenehme Weise. Kein Gerenne mit der Running Order in der Hand, kein Termin-Tetris und schlechtes Gewissens, weil man den klassischen Abschluss von Band A gegen die Opener auf Bühne B abwägen muss. Mangels Alternative entdeckt manch einer vielleicht auch völlig neue Bands für sich.

Soviel zum Drumherum, nun also zu den Konzerten, die wir gesehen haben (bzw. an die wir uns noch erinnern können – was soll ich sagen, es war warm, wir hatten Durst!)

Freitag

Um das Festival unter Berücksichtigung von Anreise und Fußmarsch zum Gelände nicht gleich am Start in Stress ausarten zu lassen, zogen Dust Bolt als erste Band leider gleich mal den Kürzeren bei uns – die Kollegen haben wir leider verpasst.

Insofern begann das Festival für uns mit Robert Pehrsson’s Humbucker, die blitzsauber auf der Retro-/Classic Rock Welle surfen und deren eingängige Show richtig gute Stimmung gemacht hat. Dazu beigetragen hat natürlich auch, dass Ex-Black Trip-jetzt-V.O.J.D-Frontmann Joseph Tholl hier ebenfalls an der Gitarre und beim Gesang unterstützt. Ein großartiger Einstieg in die drei Tage!

Jetzt wird’s kurios. Wir können uns beide – Peter und Marco –  nicht daran erinnern Mantar gesehen zu haben auf unserer Kamera sind Fotos. Nun ja, die Erinnerungen dazu ergänzen wir hoffentlich Ende des Jahres auf dem Sankt Hell Festival in Hamburg…

Spulen wir also vor zu Band Nummer vier am ersten Tag, den Dead Daisies. Auch hier war eher Rock als Metal angesagt. Da es sich um eine Art All-Star Band handelt, wurde eben jener Hard Rock sehr gekonnt durch das Amphitheater getrieben. Coole Riffs, eingängige Melodien und gut aufgelegte Musiker luden zum mitwippen ein.

Temperatur und die ärztliche Empfehlungen wenn’s warm ist viel zu trinken luden dann abermals zu einer Pause ein. Candlemass, Klassiker und Schwergewicht des Doom Metal verkamen so leider zur Hintergrundbeschallung. Aber ich bin sicher, wir hätten zwei Daumen nach oben gegeben.

Den Abschluss boten dann Blues Pills. Gemischte Gefühle bei mir, weil ich zugleich neugierig war, aber mit gedämpfter Erwartungshaltung rangehen musste, angesichts Peters Bericht vom Konzert aus Brüssel (siehe @front_stager auf Instagram). Zum Glück hatten die damals entweder einen schlechten oder auf dem Rock Hard Festival einen besonders guten Tag, denn das war eine echt rockige, mitnehmende Performance. Dazu kommt, das Frontfrau Elin Larsson natürlich ein absoluter Hingucker ist.

Nachdem die letzten Töne verklungen waren, stellte sich die Frage nach dem was nun. Vom „Partyzelt“ war in der Nach- bzw. Vorberichterstattung häufig zu lesen. Also sind wir dort noch eingekehrt. Als „Muss“ würde ich die Festivitäten dort aber nicht bezeichnen, weswegen wir uns den Besuch dort für die weiteren Tage auch gespart haben. Witzig war es trotzdem – allein aufgrund der Leute, die wir dort kennengelernt haben (eher, mit denen wir uns fotografiert und an deren Namen wir uns am nächsten Tag nicht so recht erinnern konnten).

Samstag

Wohl dem, der sich mit dem Alkohol zurückgehalten hatte. Wir gehörten da eher zu der anderen Fraktion, was das Hochfahren der körpereigenen Systeme deutlich ausbremste.

Monument und Ketzer spielten vor diesem Hintergrund schlichtweg zu früh. Schade, denn vor allem zweitgenannte hätte ich wirklich gerne gesehen. Night Flight Orchestra sollte also der Kick-Off für den Samstag sein. Kurioserweise haben wir es auch rechtzeitig auf’s Gelände geschafft, nur um uns dann auf der äußeren „Shoppingmeile“ bei unserem Haus- und Hof-Patchhändler (Groetjes an das Team von Riffs Merchandise) in Fachgesprächen festzubeißen. Aber auch das ist eben Rock Hard Festival!

Der Termin mit Skyclad war dann aber für mich nicht verhandelbar. Es muss so um 1994 herum gewesen sein, als ich zum ersten Mal diese Band hörte, die durchaus ruppigen Metalsound, die eigenwillige Stimme von Martin Walkyier mit Elementen von Folk Rock verschmolz. Eine Metal Band mit Violine, das war mal was Neues. Über die Jahre und die diversen Alben musste der Metal zunehmend dem Folk weichen, bis man die letzte CD, die ich kaufte, getrost in jedem Irish Pub hätte abspielen können. Ende der Geschichte? Die Band hat sich über die letzten Jahre personell neu arrangiert und in das neue Album haben sich auch wieder musikalische Ecken und Kanten eingeschlichen. Es war also angerichtet für einen denkwürdigen Konzertnachmittag. Der wurde es dann auch! Die Band spielte gut gelaunt eine Setlist voller Klassiker und sorgte damit für beste Stimmung vor der Bühne. Krankheitsbedingt musste auf die ikonische Violine verzichtet werden. Das tat der launigen Performance keinen Abbruch. Bei uns kochte die Stimmung endgültig beim Song „Emerald“ über. Bei mir, weil es der Song ist, der mich zu Skyclad brachte. Bei Peter, weil es ein Thin Lizzy Cover ist. Großartiges Erlebnis!

Ich hätte dann gleich für Asphyx vor der Bühne stehen bleiben können aber das war mit Peter nicht zu machen. Zwei Songs konnte ich raushandeln, zwei Songs in denen ich die brachiale Gewalt und Kraft von Martin van Drunens Stimme lauschen dürfte. Dann räumten wir das Feld und widmeten uns dem in diesem Jahr nur an einem Tag geöffneten Metalmarkt.

Als wir da rein sind, wäre „gut besucht“ als Charakterisierung des Zeltinnenraums, in dem die diversen Händler ihre LP und CD anboten, sicherlich deutlich übertrieben gewesen. Das ist vermutlich auch der Grund, warum man sich dieses Jahr bei diesem Feature auf einen Tag beschränkte. Die äußeren Umstände waren aber auch nicht hilfreich. Das Wetter war – aus dieser spezifischen Perspektive – zu gut. Darüber hinaus – und das ist einer meiner zwei Kritikpunkte in diesem Jahr – gab es die mietbaren Schließfächer nicht. Wo sollst du also mit deinen Errungenschaften hin?? Im letzten Jahr haben wir beide viel Geld für Merchandise und Tonträger dagelassen. Verfahrensgang: Band gehört, für gut befunden, Merch gekauft, zur Signing Session gedackelt. Das was dieses Jahr so nicht drin. Ich hab natürlich trotzdem was gefunden aber es hätte besser sein können. Das dürfte im kommenden Jahr gerne wieder anders sein.

Auf der Bühne war zwischenzeitlich Bandwechsel angesagt: Exodus waren am Zug. Der eine oder andere wird es als Blasphemie verstehen aber damit kannst du mich jagen. Also Pause, Fotos sichten, Flüssigkeit rauslassen, neue Flüssigkeit reinlassen, unterm Strich…Kraft tanken. Denn da wussten wir ja noch nicht, was anschließend auf uns zu kommen würde!

Auf der Bühne wurde nämlich zwischenzeitlich fleissig gearbeitet. Und auf einmal stand da…eine große Couch. Links und rechts noch zwei Mock-up Lautsprecher und statt eines Backdrops hing dort eine gelbe Tapete mit einem Elch-Gemälde drauf. D.A.D. hatten sich angesagt um dem Publikum aber mal so richtig einzuheizen. Bei unserem ersten Besuch des Rock Hard Festivals hatten wir uns die Band noch entgehen lassen – diesmal zum Glück nicht, denn es wurde eine absolut wilde Party bei der das Gemisch zu guten Teilen aus Hard als auch Punk Rock bestand. Stimmungsmacher waren dabei unzweifelhaft Sänger Jesper Binzer mit seiner energiegeladenen Performance und seinen kauzig-gebrochen deutschen Ansagen. Fast noch mehr auf’s Stimmungspedal trat aber Bassist Stig Perdersen, der nicht nur in Pilotenanzug und -helm auftrat sondern die verrückteste Sammlung Bässe spielte, die man sich so vorstellen konnte. Im Vorfeld muss er auf die Ansage, dass man das Outfit nicht mehr steigern könne, mit „Hold my beer!“ geantwortet haben, denn auf dem Höhepunkt des Hits „Sleeping my day away“ befanden sich auf seinem Helm auf einmal Pyroelemente, die ihm einen feuerstrahlenden Irokesenschnitt verpassten. Das er ansonsten mehr auf dem Set rumkletterte denn still stand muss ich vermutlich nicht extra erwähnen. Peters Bewertung:“Highlight des Festivals!“ Obwohl der Sonntag für mich noch einen absoluten Höhepunkt bereit hielt, vermag ich ihm immer noch nicht in Gänze zu widersprechen.

Wenn es mir um ein Konzert leid tut, das ich mir nicht vollständig angesehen habe, war das Behemoth. Nergal und seine Mannen haben eine gewohnt brachial-gewaltige Show geboten, die eines Tagesabschlusses absolut würdig war. Der Kontrast zur frohsinnigen Party von D.A.D war natürlich sehr krass. Wir haben letztlich abgebrochen um noch was zu essen und die Jagd auf ein Taxi aufzunehmen. Natürlich ging’s auch darum, am nächsten Morgen rechtzeitig aus den Federn zu kommen, um zur ersten Band pünktlich vor der Bühne zu stehen.

Sonntag

Der letzte Tag begann mit einem absoluten Ärgernis – Chaos am Einlass bzw. an der Security. Es hatte sich zu beiden Seiten jeweils eine lange Schlage gebildet an der sich die einen brav anstellten und die anderen munter vorbei spazierten um sich irgendwo mittig reinzuschmuggeln. Was zumindest auf unserer Seite nicht erkennbar war, lag es an der zeitaufwändigen Durchsuchung von Taschen und Rucksäcken. Auf jeden Fall wäre es hilfreich gewesen, wenn jemand die Gepäcklosen durchgelotst hätte. Statt dessen lief ein einsamer Security-Mensch durch die Schlange und fischte Leute mit Fotopass raus.

Denn, und damit kommen wir zum eigentlich Problem, die Warteschlangensituation hatte sich noch nicht ansatzweise gelöst, als Night Demon mit ihrer Show loslegten. Das war nun aber gerade die Band, die fast alle sehen wollten. Als wir endlich drin waren, konnten wir gerade noch die letzten fünfzehn Minuten mitnehmen. Letztlich war das auch schade für die Band, weil sie gerade am Anfang nicht das Publikum hatte, dass ihr zustand. Ihren wohlig nah an klassische Iron Maiden erinnernden Songs spielten die Jungs aber energiegeladen und mit sichtlich Spaß an der Sache. Den krönenden Abschluss bildete ein Cover von „Wasted Years“ – natürlich mit der entsprechenden Reaktion des textsicheren Publikums. Ich wäre echt sauer gewesen, wenn ich das verpasst hätte – so war ich nur mäßig verstimmt ob des für uns viel zu kurzen Konzerts.

Es schlossen sich Blood Ceremony an. Ich kann okkultem Rock mit Doom-Einschlag durchaus was abgewinnen. Aber hier wollte der Funken schon beim Soundcheck nicht überspringen. Das änderte sich beim eigentlichen Konzert auch nicht mehr. Wir haben uns unter den Bierpilz verzogen. Ich werde der Truppe an der heimischen Anlage noch eine Chance geben.

Ähnlich verhält es sich mit Secrets of the Moon. Deren Black Metal ist eigentlich musikalisch mein Ding. Aber irgendwie zog es mich mehr auf die Bierzeltgarnitur statt vor die Bühne. Vielleicht lag es auch an der Tageszeit. Derart dürstere Musik in hellem Tageslicht kann funktionieren, muss es aber nicht.

Demon wiederum gehören sonst eher nicht zu meinen Favoriten. Aber deren Auftritt fand ich überaus kurzweilig. Den Jungs merkt man natürlich die Routine an. Zudem können die auf ein gewaltiges Repertoire an NWOBHM und Hard Rock Songs zurückgreifen. Wir waren weder textsicher, noch kannten wir uns in der Diskografie aus. Um uns herum gab’s aber einige Fans und die schienen mit dem Auftritt allesamt zufrieden gewesen zu sein. Zum Ende des Sets kam dann bei mir aber doch ein wenig Ungeduld auf, denn es nahte mein zweites persönliches Highlight nach Skyclad.

Ich bin Manowar Fan! So, nun ist es raus. Und ja, ich kann selbst Gods of War und The Lord of Steel noch was abgewinnen. Aber natürlich schlägt auch mein Herz in erster Linie für die klassischen ersten fünf Alben. Wenn also jemand mit diesem Material auftreten will, braucht er vor allem eins: einen stimmgewaltigen Sänger. Immerhin gilt es einem jungen Eric Adams nachzueifern. Ross „The Boss“ Friedmann, seines Zeichens Ex-Gitarrist bei Manowar und in dieser legendären Periode am Songwriting beteiligt, präsentierte im letzten Jahr so einen Sänger und trat seitdem mit einem sogenannten „Classic Manowar Set“ auf. Nicht wenigen Besuchern des Keep It True Festivals dürfte im letzten Jahr die Kinnlade runtergefallen sein, als Mike Cotoia diesen fast schon religiös gehuldigten Liedern neues Leben einhauchte oder eher einblies. Meine Reaktion als ich das entsprechende Video auf Youtube verfolgte: Das muss ich sehen! Dummerweise trennte sich Friedmann von Cotoia und präsentierte im Dezember ein neues Lineup mit Sänger Marc Lopes. Zweifel waren unvermeidbar: Einen Ausnahmesänger finden, der diese Songs konkurrenzfähig vortragen konnte schien möglich aber gleich einen zweiten? Das erste Videomaterial im Internet lies indes auch nichts Gutes erwarten. Zum Glück ist live immer noch was anderes. Lopes kämpfte sich tapfer und stimmgewaltig durch eine Setlist, die in der Tat die Bezeichnung „Classic“ verdiente. Auf die Unterstützung des Publikums konnte er sich dabei verlassen. Egal ob „Blood of my Enemies“, „Hail and Kill“ oder „Sign of the Hammer“, aus hunderten Kehlen wurde fleißig und begeistert mitgesungen. Selbst auf den sonst eher passiven Rängen brach Bewegung aus. Kulminationspunkt war zweifelsohne das Anstimmen der „Battle Hymn“, anerkanntermaßen ein Lied für Gänsehautstimmung. Frontmann Lopes hatte sichtlich Spaß vor so einem Publikum und so einer Kulisse aufzutreten, auch wenn man immer das Gefühl hatte, dass er sich bis zum Äußersten verausgaben muss. Auch saß nicht jede Note perfekt. Drauf gesch*ssen. Namensgeber Ross „The Boss“ fiel eher durch seltsame Grimassen und Gesten auf und trat ansonsten gefühlt in jedem Song mit einem Solo in Erscheinung. Das alles konnte dem Gesamteindruck keinen Abbruch tun: ein klasse Auftritt, der bei mir noch lange nachhallen wird.

Ab da war die Luft ein wenig raus. Gut das mit Fates Warning zwar ein absoluter Klassiker die Bühne betrat, deren doch recht progressiver Metal aber für uns eher als Hintergrundmusik für eine letzte Runde Nahrungs- und Bieraufnahme taugte.

Dann wurde es nochmal interessant. Udo Dirkschneider hatte sich angesagt. Ein letztes Mal mit den klassischen Accept Songs. Und es wurde nochmal ein Stimmungskracher. Das Repertoire seiner einstigen Band ist für eine Aneinanderreihung von Nackenbrechern nahezu unerschöpflich. Da fehlte dann auch wirklich keiner der Klassiker, Fast As A Shark, Breaker und Metal Heart um nur die prominentesten zu nennen. Damit war jeder mehr als gut bedient, auch wenn hinter uns vehement der Bard Song(!) 😂 gefordert wurde. Udo selbst waren seine Jahre nicht anzumerken – und der geht immerhin wacker auf die 70 zu. Ich war am Ende froh, dass ich das noch einmal erleben dürfte.

Bei Opeth scheiden sich die Geister – und zwar meine. Alte, Death Metal Opeth ja, neue, psychedelisch retro-rockige Opeth nein. „Zwei bis drei Lieder“, hatten wir uns vorgenommen. Und obwohl Sänger Mikael Åkerfeldt tatsächlich schon zu Beginn des Sets zu Growls wechselte, vermochte der Funke nicht überzuspringen. Also machten wir den Deckel drauf und zogen von Dannen.

Was bleibt ist die Erinnerung an drei fantastische Tage in Gelsenkirchen und die Vorfreude auf das nächste Jahr. Und auch wenn es am Line-Up immer was zu meckern gibt…es wird wieder eine muntere Mischung geben zwischen Neuem und Klassikern, zwischen Härte und Melodie. Das Ganze in einer malerischen Kulisse und im Beisein von 7.000 Überzeugungstätern; auf dem Rock Hard Festival – wenn die Kutten nach Hause kommen.

Auf dem Rock Hard Festival 2017 fröhnten ihrer Metal und Hard Rock Passion: @MManderfeld und @pManderfeld. (Der @martin_fischer hat es ja wieder Mal nicht auf die Kette bekommen!).

 

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