Audrey Horne im Kölner Jungle – ein Konzertbericht

Audrey Horne Konzert Köln

Freunde, hier ist ein Lektion fürs Leben: Wenn ihr für euch entscheidet, ob ihr eine Band gut findet oder eben nicht, urteilt nicht aufgrund der LP, die ihr auf den Plattenteller geschmissen habt, und aufgrund des Sounds, der aus den Boxen schallt. Geht zum Konzert, wenn ihr die Chance habt. Falls ihr die Band dann immer noch scheiße findet, okay. Aber wir haben gerade wieder diese Lektion gelernt. Wer hat sie uns beigebracht? Audrey Horne. Und zwar mit voller Wucht.

Uns haben schon immer ein paar Songs von Audrey Horne gefallen, so richtige Begeisterung wollte aber nie aufkommen. In unseren Ohren klangen die Norweger immer etwas zu glatt. Vielleicht sogar poppig. Im Kölner Jungle hat sich unserer Meinung am vergangenen Montag dazu schlagartig geändert. Später mehr dazu. Denn bevor wir zum Auftritt von Audrey Horne kommen, möchten wir ein paar Takte zu den Vorbands sagen, die wir uns auf fast jedem Konzert anschauen, wenn wir das zeitlich schaffen. Gerade unter der Woche ist das ja nicht immer so einfach.

Magick Touch und Dead City Ruins legen vor

Magick Touch Konzert Köln

Magick Touch kommen ebenfalls aus Norwegen und haben den Konzertabend um Punkt 19:30 Uhr eingeläutet. Die Jungs hatten es nicht einfach mit dem Publikum. Zum einen war es zu der frühen Uhrzeit noch nicht sonderlich gefüllt, zum anderen waren die Leute, die vor der Bühne standen, durchaus etwas älter. So ein Kaliber kriegst Du in der Regel nur schwer dazu animiert mit zu klatschen oder das rhythmische „hey, hey, hey“ mitzusingen, wenn der Sänger es vormacht. Die frühen Konzertbesucher waren an diesem Abend eher so drauf: Erstmal Abstand halten, interessiert beobachten und in Ruhe ein paar Bierchen naschen, begleitet von einem anerkennenden leichten Kopfnicken.

Davon abgesehen hatten wir den Eindruck, dass sich die Band noch nicht ganz gefunden hat. Der Sound reicht von NWOBHM bis hin zu Stoner. Dann klingen sie mal wie die Foo Fighters, ein anderer Song erinnert schwer an AC/DC oder dann doch wieder an Motörhead. Dies ist unter anderem auch der Tatsache geschuldet, dass es zwei Sänger gibt, die sehr unterschiedlich klingen: Gitarrist HK Rein singt eher klar, währen Bassist Christer Ottesen ein sehr rotziges Organ hat.  Zu guter Letzt war das Outfit in Teilen merkwürdig: Oder gibt es einen Grund, warum man sich Bandanas an die Schienbeine bindet? Nun ja…Magick Touch haben gut abgeliefert, konnten unterm Strich aber nicht richtig begeistern.

Dead City Ruins Konzert Köln

Für einen wahren Begeisterungssturm haben aber Dead City Ruins gesorgt. Und zwar gleich von Beginn an. Die fünf Australier haben mit ihrem massiven Sound eine fette Breitseite auf uns abgefeuert und klargestellt, was in der nächsten halben Stunde abgehen würde: Rock’n’Roll in your Face!!!

„…they’re just these young, broke kids who don’t give a fuck except to play music in front of people. I love it and it’s inspiring on a daily basis. That’s the spirit of rock and roll in those kids”
– Dave “The Snake” Sabo, SKID ROW
 
(Quelle: bandcamp)

Wir kannten Dead City Ruins vorher nicht, dafür werden uns die Jungs umso stärker in Erinnerung bleiben. Natürlich, weil in erster Linie der Sound ein echter Hammer ist, aber auch, weil das Outfit ein mindestens genauso großer Hammer ist. Wir erkennen ein klares Westernthema. Sänger Jake Wiffen erinnert nicht nur mit seinem starken Gesang an den jungen Ozzy Osbourne, sondern hat auch etwas von einem Indianer. Sein gewagtes Fransenhemd mit weitem Ausschnitt trägt sicher einen großen Teil zu diesem Eindruck bei.

Dead City Ruins Konzert Köln

Darüber hinaus ist er auch eine echte Rampensau und fliegt regentanzartig von links nach rechts über die Bühne. Dabei hält er sein Mikrofon wie ein Tomerhawk von sich gestreckt, um dann wieder zum gesanglichen Angriff überzugehen. Der Rest der Band trägt Westernhemden oder wie im Fall von Drummer Andrew Alkemade eine Melone auf dem Kopf (ein Bisschen wie Bud Spencer in ‚Vier Fäuste für ein Halleluja‘). Jetzt könnte man meinen, Desert Rock wäre die Richtung die dazu passt, aber das ist es nicht ganz. Dead City Ruins liefern rotzigen Hard Rock mit einer geschmeidigen Blues-Note und satten Thin Lizzy-Riffs. Basser Mick Quee besorgt es dazu seiner E-Saite richtig dreckig. Insgesamt nicht neu, aber richtig gut und auf jeden Fall einen Besuch wert. Vor allem die Stimme von Jake Wiffgen hebt die Band von anderen ab. Hätte die LP am Merch nicht 30 Euro gekostet, wäre das aktuelle Album umgehen in unsere Sammlung gewandert. Der neue Langspieler folgt wohl im April. Wir sind gespannt!

Audrey Horne reißt die Hütte ab

Nun kommen wir aber zum Hightlight des Abends, und damit auch wieder zu unserer eigentlichen Geschichte, unserer Lektion fürs Leben: Schaut euch die Bands live an!

Audrey Horne Konzert Köln

Das, was Audrey Horne im Jungle abgeliefert hat, kann von Platte einfach nicht rüberkommen. Die Jungs haben die Bude echt abgerissen, mit einer Spielfreude, die sogar das eingangs erwähnte „ältere Semester“ im Publikum aus der Reserve gelockt hat.

Audrey Horne Konzert Köln

Mit „This Is War“ vom neuen und umjubelten Album „Blackout“ war sofort Vollgas angesagt – grandioser Opener! Darauf folgte prompt der zweite Song des Albums „Audrevolution“. Natürlich stand an dem Abend das neueste Werk deutlich im Fokus. Fronter Torkjell Rød – stilecht gekleidet in weißem Hemd und schwarzer Krawatte – war sich auch nicht zu schade, um das eine oder andere Mal während der Show darauf hinzuweisen, dass man das Album ja auch am Merch kaufen kann. Etwas nervig, aber fairerweise müssen wir an dieser Stelle erwähnen, dass die komplette Band später am Stand war, um mit den Fans zu quatschen oder Platten zu unterschreiben. Macht heutzutage auch nicht mehr jeder.

Audrey Horne haben sich auch auf der Bühne mächtig ins Zeug gelegt, um die Gunst der Fans für sich zu gewinnen. So standen etwa zur Halbzeit des Konzerts die beiden Gitarristen Arve Isdal und Thomas Tofthagen mitten im Publikum, um sich dort ein astreines Gitarren-Duell zu liefern, angefeuert von Sänger Torkjell, der mittlerweile so durchgeschwitzt war, dass man seine Tatttoos durch das weiße Hemd sehen konnte.

Audrey Horne Konzert Köln

Ob die Jungs sich dabei komplett verausgabt haben, wissen wir nicht…aber das Konzert ist leider insgesamt etwas kurz ausgefallen: Rund 60 Minuten plus Zugabe. Wir hätten gerne länger gefeiert. Aber dafür hatte es die Zugabe in sich. Nach dem die Band kurz verschwunden war, kam sie mit Redemption Blues zurück auf die Bühne. BÄM! Bei dem Song hat es auch die letzte Reihe nicht mir gehalten.

Audrey Horne Konzert Köln

Der Laden hat getobt. Die Stimmung war aber immer noch nicht auf dem Höhepunkt. Der wurde mit „Waiting for the Night“ erreicht. Ein Paradebeispiel für den Unterschied zwischen Album und Live-Erlebnis. Nachdem der Song leise von Bassist Espen Lien angestimmt wurde, hat sich das Publikum dem Hymnenhaften-Refrain ergeben, lauthals mitgesungen und ist komplett ausgerasetet. Einen passenden Mitschnitt gibt’s hier im Video zu sehen:

Auf Blaze of Ashes hätten die Norweger auch verzichten können, denn würdiger hätte man das Finale nicht gestalten können.

Kurzes Fazit: Audrey Horne hat uns auf Platte gefallen, auf der Bühne umgehauen.

Funfact: Der Bandname „Audrey Horne“ stammt von einer Figur aus der US-amerikanischen Fernsehserie Twin Peaks.

Setlist: Audrey Horne, 22.1.2018, Jungle, Köln

  • This Is War
  • Audrevolution
  • Out of the City
  • This Ends Here
  • Volcano Girl
  • Midnight Man
  • Blackout
  • The King Is Dead
  • Naysayer
  • Pretty Little Sunshine
  • Straight Into Your Grave

Zugabe:

  • Redemption Blues
  • Waiting For The Night
  • Blaze of Ashes

Bei Frontstager geht es diese Woche munter weiter: Nach dem Konzert ist vor dem Konzert! Audrey Horne hat am Montag außerordentlich gut vorgelegt. Am Donnerstag starten wir dann unsere Auswärtstour um Freitag die NWOBHM-Durchstarter von Night Demon erst in Barcelona zu sehen, und Samstag in Madrid. Accept ist übrigens auch mit dabei 😉

 

 

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